Kurz beantwortet
Eine mehrsprachige Website braucht pro Sprache eigene URLs, am einfachsten als Unterverzeichnisse wie /fr/ und /it/. Die Sprachversionen werden mit hreflang verknüpft, Besucher können die Sprache selbst wechseln und werden nicht automatisch umgeleitet. Die Inhalte sollten professionell übersetzt und auf die Suchbegriffe der jeweiligen Sprachregion ausgerichtet sein.
Das Wichtigste in Kürze
- Laut BFS nennen 61 Prozent der Bevölkerung Deutsch als Hauptsprache, 23 Prozent Französisch, 8 Prozent Italienisch und 6 Prozent Englisch.
- Für KMU sind Unterverzeichnisse wie /fr/ und /it/ meist die beste Struktur.
- hreflang zeigt Google, welche Seiten Übersetzungen voneinander sind. Jede Seite muss alle Sprachversionen und sich selbst nennen.
- Google rät von automatischen Weiterleitungen nach Sprache oder Standort ab.
- Maschinelle Übersetzungen ohne Prüfung und Mehrwert können gegen Googles Spam-Richtlinien verstossen.
Welche Sprachen brauchen Sie?
Die Schweiz hat vier Landessprachen, dazu kommt Englisch als wichtige Verkehrssprache. Laut Bundesamt für Statistik verteilen sich die Hauptsprachen der ständigen Wohnbevölkerung so:
| Hauptsprache | Anteil 2023 |
|---|---|
| Deutsch oder Schweizerdeutsch | 61 % |
| Französisch | 23 % |
| Italienisch | 8 % |
| Englisch | 6 % |
| Rätoromanisch | 0,5 % |
Knapp zwei Drittel der Bevölkerung ab 15 Jahren verwenden regelmässig mehr als eine Sprache, Englisch nutzen 44 Prozent regelmässig. Welche Sprachen Sie brauchen, hängt davon ab, wo Ihre Kundschaft sitzt. Ein Handwerksbetrieb in Winterthur braucht meist nur Deutsch, ein Hotel, ein Onlineshop oder ein Dienstleister mit Kundschaft in der Romandie dagegen mehrere Sprachen.
Praxistipp
Starten Sie lieber mit zwei gut gepflegten Sprachen als mit vier halb übersetzten. Weitere Sprachen lassen sich später ergänzen, wenn die Struktur von Anfang an dafür vorbereitet ist.
Die richtige URL-Struktur
Google empfiehlt, jede Sprachversion unter einer eigenen URL anzubieten, statt die Sprache über Cookies oder Browsereinstellungen zu wechseln. Für die URL-Struktur gibt es mehrere Möglichkeiten:
| Struktur | Beispiel | Bewertung |
|---|---|---|
| Unterverzeichnis | ihre-website.ch/fr/ | Einfach einzurichten, eine Domain, wenig Pflege. Für die meisten KMU die beste Wahl. |
| Subdomain | fr.ihre-website.ch | Einfach einzurichten, für Besucher aber weniger eindeutig. |
| Eigene Länderdomain | ihre-website.fr | Nur sinnvoll, wenn Sie gezielt ein anderes Land ansprechen. Teurer im Aufbau und Betrieb. |
| URL-Parameter | ihre-website.ch?lang=fr | Laut Google nicht empfohlen. |
hreflang richtig einsetzen
Mit hreflang teilen Sie Google mit, welche Seiten Übersetzungen voneinander sind und für welche Sprache und Region sie gedacht sind. Google zeigt dann jeder Person die passende Version.
| Seite | hreflang | URL |
|---|---|---|
| Deutsch (Schweiz) | de-CH | ihre-website.ch/ |
| Französisch (Schweiz) | fr-CH | ihre-website.ch/fr/ |
| Italienisch (Schweiz) | it-CH | ihre-website.ch/it/ |
| Englisch | en | ihre-website.ch/en/ |
| Standard | x-default | ihre-website.ch/ |
Die wichtigsten Regeln
- Gegenseitige Verweise: Jede Sprachversion nennt sich selbst und alle anderen. Zeigen zwei Seiten nicht gegenseitig aufeinander, ignoriert Google die Angaben.
- Richtige Codes: Sprache nach ISO 639-1, optional mit Region, etwa de-CH oder fr-CH. Ein Ländercode allein ist nicht gültig.
- x-default: Die Fallback-Version für alle, deren Sprache nicht passt.
- Drei Wege: im HTML-Kopf, im HTTP-Header oder in der XML-Sitemap. Für Google sind alle drei gleichwertig.
Google erkennt die Sprache einer Seite übrigens am sichtbaren Inhalt, nicht am lang-Attribut im Code und nicht an hreflang.
Keine automatische Weiterleitung
Viele Websites leiten Besucher automatisch auf eine Sprache um, je nach Browser oder Standort. Google rät davon ab. Der Googlebot crawlt meist aus den USA und ohne Sprachangabe, dadurch findet er womöglich nicht alle Sprachversionen.
- Bieten Sie auf jeder Seite einen gut sichtbaren Sprachwechsel an.
- Der Sprachwechsel führt auf dieselbe Seite in der anderen Sprache, nicht auf die Startseite.
- Merken Sie sich die gewählte Sprache, statt sie bei jedem Besuch neu zu erraten.
Übersetzen, lokalisieren oder maschinell übersetzen?
Maschinelle Übersetzungen sind heute gut, aber nicht fehlerfrei. Google nennt in seinen Spam-Richtlinien ausdrücklich Seiten, die durch automatische Übersetzung massenhaft und ohne Mehrwert für Nutzer erstellt werden. Für KI-generierte Inhalte betont Google, dass sie manuell auf Richtigkeit geprüft werden sollten.
- Übersetzen: Inhalte werden sinngemäss in die andere Sprache übertragen.
- Lokalisieren: Beispiele, Kontaktangaben, Masseinheiten und Ansprache werden an die Region angepasst.
- Maschinell vorübersetzen und prüfen: spart Zeit, wenn eine Fachperson jeden Text kontrolliert, besonders Fachbegriffe, Seitentitel und Beschreibungen.
Suchbegriffe pro Sprache
In der Romandie und im Tessin wird nicht einfach mit der wörtlichen Übersetzung eines deutschen Begriffs gesucht. Recherchieren Sie die Suchbegriffe pro Sprache separat.
| Deutsch | Französisch | Italienisch |
|---|---|---|
| Offerte | devis | preventivo |
| Gartenpflege | entretien de jardin | manutenzione del giardino |
| Umzugsfirma | entreprise de déménagement | ditta di traslochi |
Auch Seitentitel, Meta-Beschreibungen, Bild-Alternativtexte und strukturierte Daten gehören in jede Sprache. Nur so kann jede Version eigenständig gefunden werden.
Technik-Checkliste
- Eigene URL pro Sprachversion, idealerweise als Unterverzeichnis.
- hreflang auf allen Seiten, mit gegenseitigen Verweisen und x-default.
- Sichtbarer Sprachwechsel, der auf dieselbe Seite in der anderen Sprache führt.
- Keine automatische Umleitung nach Sprache oder Standort.
- Seitentitel, Beschreibungen und strukturierte Daten in jeder Sprache.
- Eine Sitemap mit allen Sprachversionen in der Search Console einreichen.
- Menüs, Formulare, Fehlermeldungen und E-Mails ebenfalls übersetzen.
Was kostet eine mehrsprachige Website?
Der Aufwand hängt von der Zahl der Sprachen, dem Umfang der Inhalte und davon ab, ob Texte übersetzt oder lokalisiert werden. Bei LEOSA kostet eine zusätzliche Sprache für eine bestehende Website ab CHF 890. Mehrsprachige Websites mit mehreren Sprachen von Beginn an setzen wir als individuelles Projekt über CHF 10’000 um. Alle Details finden Sie auf der Seite Preise.
Mehrsprachigkeit in WordPress
In WordPress wird Mehrsprachigkeit meist mit einem Plugin umgesetzt, verbreitet sind zum Beispiel WPML, Polylang und TranslatePress. Achten Sie bei der Wahl auf diese Punkte:
- Erzeugt das Plugin eigene URLs pro Sprache?
- Setzt es hreflang inklusive x-default automatisch?
- Funktioniert es mit Ihrem Page Builder, Ihrem Shop und Ihrem SEO-Plugin?
- Lassen sich Menüs, Formulare und E-Mails übersetzen?
- Gibt es eine Sitemap mit allen Sprachversionen?
Rechtstexte und Kontakt in jeder Sprache
Impressum, Datenschutzerklärung und bei Onlineshops die AGB gehören in jede Sprachversion. Ihre Kundschaft soll verstehen, wer Sie sind und wie ihre Daten bearbeitet werden. Übersetzen Sie auch Formulare, Bestätigungs-E-Mails und Fehlermeldungen. Sonst bricht der Eindruck einer professionellen Website genau dort ab, wo jemand Kontakt aufnehmen will.
Fazit
Eine mehrsprachige Website öffnet Ihnen alle Landesteile, wenn Struktur, Technik und Inhalte zusammenpassen. Setzen Sie auf eigene URLs pro Sprache, hreflang mit gegenseitigen Verweisen, einen sichtbaren Sprachwechsel und professionell geprüfte Übersetzungen mit eigener Keyword-Recherche. Planen Sie die Sprachen von Anfang an mit, statt sie später anzuhängen.
